Deutschlandstipendium an der GSO – ein Teil der Gelder kommt von der Kriegswaffenindustrie

Gerd Altmann/Carlsberg1988 / pixelio.de

740 Millionen Euro Umsatz im Waffengeschäft für das Jahr 2010. Das ist die Bilanz der Firma Diehl aus Nürnberg. Insgesamt konnte Diehl sei­nen Konzerngewinn damit auf 89,7 Millionen stei­gern und hat des­halb offen­sicht­lich auch etwas Geld für wohl­tä­tige Zwecke übrig, etwa um Studierende an der GSO mit einem sog. „Deutschlandstipendium“ zu för­dern. Die gene­relle Kritik am System der Deutschlandstipendien wurde bereits mehr­fach for­mu­liert. Vom Deutschen Studentenwerk (DSW) („mar­gi­nale Ergänzung der Studienfinanzierung“; „keine tra­gende Säule der Studienfinanzierung bis­lang und wer­den es in Zukunft kaum sein.“ ) über Gewerkschaften („Umverteilung von unten nach oben“) und Studierendenvertretungen („bil­det kei­ner­lei Anreiz ein Studium auf­zu­neh­men und zemen­tiert soziale Unterschiede.“) bis hin zu VertreterInnen poli­ti­scher Parteien.

„Diese Stipendien wer­den von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt und mit Mitteln der Bundesregierung ver­dop­pelt. Das Stipendium soll ein Beitrag zu Ihrem Lebensunterhalt sein. Es sollte idea­ler­weise dazu füh­ren, dass Sie sich auf Ihr Studium kon­zen­trie­ren kön­nen und zum Beispiel einen Auslandsaufenthalt finan­zie­ren kön­nen. Im Studienjahr 2011/2012 ver­gibt die Ohm-Hochschule 39 Deutschlandstipendien.“, so auf der Homepage der GSO zu lesen.

Die 150.- € pri­va­ter Anteil an den mtl. 300.- € sind Steuerrechtlich gut absetz­bar, aber natür­lich bestimmt nicht die Hauptmotivation der Geldgeber. Unter den Förderern an der GSO fin­det sich jeden­falls auch die Stiftung der Firma Diehl.

Wie diese Tatsache mit dem Leitbild der GSO in Überein­stim­mung gebracht wer­den kann, muss als Frage in den Raum gestellt wer­den dür­fen, denn u.a. heißt es darin: „[…]Leitbild ist das Bekenntnis zum ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten wirt­schaft­li­chen Handeln, das mit ethi­schen, sozia­len und ökolo­gi­schen Standards im Einklang steht. Damit wer­den gesell­schaft­li­che Veränderungen zur Herausforderung für Innovation und zur Chance auf Verbesserungen.“

Die Verantwortlichen der Hochschule müs­sen sich schon fra­gen las­sen, wie das wirt­schaft­li­che Handeln ein Rüstungskonzern wie Diehl im Einklang mit „ethi­schen, sozia­len und ökolo­gi­schen Standards“ steht. Offensichtlich kann von Leitbildern abge­wi­chen wer­den, han­delt es sich ja wohl eher um Richtlinien den um ver­bind­li­che Standards, dann sollte man diese aber ein­fach gleich blei­ben las­sen.

Neuste Errungenschaft des Konzerns ist neben­bei – wie stolz via Pressemitteilung mit­ge­teilt — der Gleitflugkörper PILUM. „Beim PILUM-System garan­tie­ren GPS/INS-gelenkter Marschflug und Dual-Band-Suchkopf-gesteuerter Ziel-Endanflug eine hohe Treffergenauigkeit. Eine ange­passte Wirkung im Ziel wird durch ein ska­lier­ba­res Wirksystem erreicht.“ Da kann man nur noch stau­nen, der sau­bere Krieg ist bei Diehl bereits Wirklichkeit gewor­den, es wird nur noch getrof­fen, was getrof­fen wer­den soll — meis­tens.

Bei der letz­ten Wiederwahl der VizepräsidentInnen wurde allen die Frage gestellt, wie sie zu einer Kooperation der Hochschule mit Rüstungskonzernen wie Diehl ste­hen wür­den. Damals stand man einer Kooperation noch ableh­nend gegen­über, ein aktu­el­ler Vizepräsident betonte sogar, dass er die Folgen die­ser Produkte auf­grund sei­ner Herkunft nur zu genau kenne und eine Kooperation schon des­we­gen aus­ge­schlos­sen sei.

In Geldfragen wer­den etwaige mora­li­sche Bedenken aber offen­sicht­lich sofort über Bord gewor­fen. Eine Hand voll Studierender kann sich jetzt ab dem kom­men­den Wintersemester sogar über einen Förderer freuen, der nicht über­all so wohl­tä­tig wirkt, wie an der GSO Hochschule Nürnberg. Da kann man nur abschlie­ßen mit „Das OHM macht…fassungslos“.

P.S. Die Hochschulleitung sieht kein Problem in einer Kooperation mit der Stiftung der Firma Diehl. Vizepräsidentin Weissman ant­wor­tete auf eine Anfrage des AStA auch im Namen ihrer Kolleginnen jeden­falls: „Sie kön­nen ver­si­chert sein, dass die Hochschule immer wie­der Für und Wider der jewei­li­gen Kooperation über­prüft und über­prü­fen wird. Wir haben dabei zu einer dif­fe­ren­zier­ten Einschätzung und Bewertung von Kooperationspartnern zu kom­men, die dem Unternehmen in sei­ner Gesamtheit ebenso gerecht wer­den müs­sen wie den unter­schied­li­chen Interessen der Mitglieder der Hochschule.“

This entry was posted on Dienstag, Juli 26th, 2011 at 14:44 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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