Deutschlandstipendium an der GSO – ein Teil der Gelder kommt von der Kriegswaffenindustrie
740 Millionen Euro Umsatz im Waffengeschäft für das Jahr 2010. Das ist die Bilanz der Firma Diehl aus Nürnberg. Insgesamt konnte Diehl seinen Konzerngewinn damit auf 89,7 Millionen steigern und hat deshalb offensichtlich auch etwas Geld für wohltätige Zwecke übrig, etwa um Studierende an der GSO mit einem sog. „Deutschlandstipendium“ zu fördern. Die generelle Kritik am System der Deutschlandstipendien wurde bereits mehrfach formuliert. Vom Deutschen Studentenwerk (DSW) („marginale Ergänzung der Studienfinanzierung“; „keine tragende Säule der Studienfinanzierung bislang und werden es in Zukunft kaum sein.“ ) über Gewerkschaften („Umverteilung von unten nach oben“) und Studierendenvertretungen („bildet keinerlei Anreiz ein Studium aufzunehmen und zementiert soziale Unterschiede.“) bis hin zu VertreterInnen politischer Parteien.
„Diese Stipendien werden von Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt und mit Mitteln der Bundesregierung verdoppelt. Das Stipendium soll ein Beitrag zu Ihrem Lebensunterhalt sein. Es sollte idealerweise dazu führen, dass Sie sich auf Ihr Studium konzentrieren können und zum Beispiel einen Auslandsaufenthalt finanzieren können. Im Studienjahr 2011/2012 vergibt die Ohm-Hochschule 39 Deutschlandstipendien.“, so auf der Homepage der GSO zu lesen.
Die 150.- € privater Anteil an den mtl. 300.- € sind Steuerrechtlich gut absetzbar, aber natürlich bestimmt nicht die Hauptmotivation der Geldgeber. Unter den Förderern an der GSO findet sich jedenfalls auch die Stiftung der Firma Diehl.
Wie diese Tatsache mit dem Leitbild der GSO in Übereinstimmung gebracht werden kann, muss als Frage in den Raum gestellt werden dürfen, denn u.a. heißt es darin: „[…]Leitbild ist das Bekenntnis zum verantwortungsbewussten wirtschaftlichen Handeln, das mit ethischen, sozialen und ökologischen Standards im Einklang steht. Damit werden gesellschaftliche Veränderungen zur Herausforderung für Innovation und zur Chance auf Verbesserungen.“
Die Verantwortlichen der Hochschule müssen sich schon fragen lassen, wie das wirtschaftliche Handeln ein Rüstungskonzern wie Diehl im Einklang mit „ethischen, sozialen und ökologischen Standards“ steht. Offensichtlich kann von Leitbildern abgewichen werden, handelt es sich ja wohl eher um Richtlinien den um verbindliche Standards, dann sollte man diese aber einfach gleich bleiben lassen.
Neuste Errungenschaft des Konzerns ist nebenbei – wie stolz via Pressemitteilung mitgeteilt — der Gleitflugkörper PILUM. „Beim PILUM-System garantieren GPS/INS-gelenkter Marschflug und Dual-Band-Suchkopf-gesteuerter Ziel-Endanflug eine hohe Treffergenauigkeit. Eine angepasste Wirkung im Ziel wird durch ein skalierbares Wirksystem erreicht.“ Da kann man nur noch staunen, der saubere Krieg ist bei Diehl bereits Wirklichkeit geworden, es wird nur noch getroffen, was getroffen werden soll — meistens.
Bei der letzten Wiederwahl der VizepräsidentInnen wurde allen die Frage gestellt, wie sie zu einer Kooperation der Hochschule mit Rüstungskonzernen wie Diehl stehen würden. Damals stand man einer Kooperation noch ablehnend gegenüber, ein aktueller Vizepräsident betonte sogar, dass er die Folgen dieser Produkte aufgrund seiner Herkunft nur zu genau kenne und eine Kooperation schon deswegen ausgeschlossen sei.
In Geldfragen werden etwaige moralische Bedenken aber offensichtlich sofort über Bord geworfen. Eine Hand voll Studierender kann sich jetzt ab dem kommenden Wintersemester sogar über einen Förderer freuen, der nicht überall so wohltätig wirkt, wie an der GSO Hochschule Nürnberg. Da kann man nur abschließen mit „Das OHM macht…fassungslos“.
P.S. Die Hochschulleitung sieht kein Problem in einer Kooperation mit der Stiftung der Firma Diehl. Vizepräsidentin Weissman antwortete auf eine Anfrage des AStA auch im Namen ihrer Kolleginnen jedenfalls: „Sie können versichert sein, dass die Hochschule immer wieder Für und Wider der jeweiligen Kooperation überprüft und überprüfen wird. Wir haben dabei zu einer differenzierten Einschätzung und Bewertung von Kooperationspartnern zu kommen, die dem Unternehmen in seiner Gesamtheit ebenso gerecht werden müssen wie den unterschiedlichen Interessen der Mitglieder der Hochschule.“
